„Bloßstellung“ deiner SCHAM hinter der Panik

maske(Barry J. McDonagh schreibt: ) Vor einer Weile erhielt ich einen Anruf von einer Frau, die über ihre Panikattacken und generelle Angststörung sprechen wollte. Sie befindet sich in ihren frühen Dreißigern und lebt mit ihrem Ehemann und ihren Kindern in einer Kleinstadt. Sie erzählte mir, dass ihre Angststörung und ihre Panikattacken die Qualität ihres Lebens extrem verminderten, und dass jeder Tag zu einem Kampf auf einem Schlachtfeld wurde.

Sie reiste früher für ihren Job viel in der Welt herum, aber heutzutage fällt es ihr schwer auch nur einen Schritt aus der Haustür zu machen, weil sie sich vor einer Panikattacke fürchtet. Sie hat zwei junge Kinder und diese haben natürlich auch Bedürfnisse. Sie möchte für ihre Kinder über die Panikattacken hinweg kommen. Aus diesem Grund führten wir unser Gespräch.

Ich fragte sie, ob sie sich außer mit mir noch mit jemandem anderen, zum Beispiel ihrem Ehemann oder ihrem Doktor, über ihre Angststörungen unterhalten hat. Sie erklärte mir, dass sie mit ein paar Freundinnen darüber gesprochen hat, aber dass sie es im Allgemeinen für sich behält, da sie davor Angst hat, dass andere hinter ihrem Rücken über sie zu tratschen beginnen. Danach fragte ich sie, was sie an ihren Angststörungen am meisten bedrückte.

Sie wurde daraufhin ein wenig sauer und sagte: „Haben Sie mir denn nicht zugehört? Ich kann deswegen mein Haus nicht verlassen und muss nach Kindern schauen. Was könnte denn schlimmer sein als das?“

„Nein, ich verstehe das schon,“ sagte ich, „aber WAS beschäftigt Sie wirklich, wenn es um die Angststörungen geht?“

Es folgte ein langes Schweigen. Nach einer Weile sagte sie: „Dass ich mein Haus nicht verlassen kann ist nur die eine Hälfte. Die anderen Sachen könnte ich niemals zugeben – ich schäme mich zu sehr!“

„Nun, versuchen Sie es mit mir,“ sagte ich. „Ich bin Ihnen ziemlich fremd und denke, dass wir uns wohl nie persönlich treffen werden. Sie haben nichts zu verlieren.“

Okay…. ich fürchte mich tief innen so als würde ich meinen Verstand verlieren. Als ob ich die Realität aus den Augen verliere. Ich bin nicht wirklich DA, wenn ich Zeit mit meinen Kindern verbringe, da ich immer darüber nachdenke, an was und wie ich denke. Macht das Sinn?

Manchmal habe ich solche beunruhigende, sorgenvolle Gedanken einer sexuellen oder brutalen Natur, dass ich mich selbst schockiere,“ sagte sie als ihre Stimme von Emotionen überwältigt wurde.

Es folgte eine weitere kurze Pause…

Es kommen mir merkwürdige Gedanken in den Kopf, die wirklich nur eine gestörte Person haben könnte…“

„Zum Beispiel?“ fragte ich.

Nun, diesen Morgen zum Beispiel fütterte ich mein kleines Mädchen und hatte diesen brutalen Gedanken in meinem Kopf. Ich war dadurch so verstört, dass ich mit dem Füttern aufhören musste, und mich selbst für fünf Minuten ins Badezimmer einschloss, da ich so sehr am Zittern war. Ich meine, was für eine Mutter hat denn solche Gedanken?

Ich schämte mich so sehr und hatte Angst vor mir selbst. Ich würde diese Gedanken niemals in die Tat umsetzen, aber wie kann ich solche Gedanken denn überhaupt in meinem Kopf haben? Das besorgt mich am meisten, denn ich fühle mich so als hätte ich darüber keinerlei Kontrolle. Sie denken nun bestimmt, dass ich verrückt bin, ja?“

„Nein, keineswegs,“ sagte ich, „ich denke sogar, dass Sie vollkommen normal sind. Sie sind eine gescheite, normale Person, die einfach unter einem zu besorgten Geist leidet, erschöpft ist und eine ausgeprägte Vorstellungskraft hat. Es ist vollkommen normal. Es ist nicht angenehm, aber es ist normal.“

Ich sagte ihr, dass Menschen es ihrem Arzt oder ihren Freunden gegenüber oft zugeben können, dass sie unter Panikattacken oder generalisierter Angststörung leiden, aber dass sie selten die Dinge, die sie wirklich besorgen, zugeben können. Sie verstecken ihre größte Angst so tief und leiden schweigend, da sie befürchten, dass jemand sagen würde, dass sie ein ernsthaftes Problem haben.

Es ist für solche Menschen zum Beispiel normal, dass sie Angst davor haben ein Küchenmesser zu verwenden, da sie Angst haben verrückt zu werden und jemanden zu erstechen.

Oder sie machen sich Sorgen, wenn sie sich hinterm Steuer befinden, weil sie befürchten, dass sie ohne Kontrolle mitten in den Verkehr rasen würden.

Oder sie stehen nicht gerne auf einem Balkon, weil sie befürchten, dass sie plötzlich runter springen würden.

Diese Menschen sind sich nicht bewusst, dass dieses Verhalten viel normaler und geläufiger ist, als sie denken. Diese aufdringlichen Gedanken werden durch eine Mischung aus großer Sorge, Erschöpfung und einer überaktiven Vorstellungskraft aufgeladen. Viele Menschen leiden unter solchen Gedanken (auch Menschen, die Du kennst), aber sie würden das niemals zugeben. Diese Art von Gedanken kommem oft zusammen mit einem Gefühl von tiefliegender Scham, dass man solche Gedanken überhaupt im Kopf hat.

Um diese Scham los zu werden, musst Du sie jedoch erst erkennen und bloß stellen / demaskieren.

Du musst erst einmal Dir selbst gegenüber ehrlich sein und diese Scham zugeben. Du musst in Deinem eigenen Geist eine Klarheit darüber haben, was Du anderen gegenüber niemals zugeben könntest. Erst dann kann die Heilung beginnen.

Falls dies für Dich und Deine Angststörung zutreffend ist, dann schreibe Deine Gedanken auf. Du kannst dies auch in einem anonymen Forum im Internet tun. Wenn Du Deine Befürchtungen und Deine Scham bloß stellst, dann verlieren sie ihre Macht über Dich.

Wenn Du Deine Geschichte veröffentlichst, dann wirst Du damit zudem auch anderen Menschen helfen. Das Überwinden von Angststörungen hat viel damit zu tun, dass Du lernst, das, was sich vollkommen abnormal anfühlt, zu normalisieren. Auf diese Weise wird sich Deine Angststörung verringern, und daraufhin wird sich auch die innere Anspannung, die Du wahrscheinlich verspürst, reduzieren.

Falls Du Deine Gedanken nicht mit der Öffentlichkeit teilen möchtest, dann schreibe sie mindestens mal auf ein Blatt Papier nieder und zeige sie dem Sonnenlicht!

Entblöße Deine Schamgefühle nun, damit Du diese dann mit Anmut los lassen kannst!